MoCom?

MoCom: Motion Comics als Erinnerungsarbeit ist ein Projekt von und für junge Menschen in West- und Ostdeutschland mit und ohne Migrationserfahrung. Bis Ende 2023 werden im MoCom-Projekt zeitlich versetzt vier Motion Comics entstehen. Vier Gruppen von jungen Menschen widmen sich jeweils einem Oberthema: Grenzübertritte, Flucht und Ausreise, Geteilte Geschichte(n), Ankommen in der Fremde.

Was passiert?

Die Teilnehmenden sammeln Materialien und Erinnerungen zu Erfahrungen mit der innerdeutschen Grenze – und zu anderen Grenzen, die bis heute Einfluss auf das Leben vieler Menschen in Deutschland haben. Sie tauschen sich über Fotos, Interviews, Zeichnungen und Objekte aus und entwickeln gemeinsam eine Erzählung. Zusammen verfassen sie das Manuskript für den Motion Comic. Ihre Ideen werden dann von professionellen Künstler:innen konzeptionell und visuell umgesetzt. Die Gruppe begleitet die visuelle und akustische Ausgestaltung der Motion Comics und steht während des gesamten Produktionsprozesses in engem Austausch mit den Künstler:innen.
Das MoCom-Projekt ist ein Online-Projekt, sodass junge Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet mitmachen können. Sie tauschen sich regelmäßig online per Video-Konferenz aus. Zum Auftakt trifft sich jede Gruppe persönlich bei einem Wochenend-Workshop in der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn, bei Helmstedt. Die Teilnehmenden stellen die fertigen Motion Comics in öffentlichen Online-Screenings vor und informieren darüber in sozialen Netzwerken.

Wer sind wir?

Das Projekt MoCom: Motion Comics als Erinnerungsarbeit wird organisiert und gefördert von der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn und der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt. Dr. Anja Werner (Historikerin) und Dr. Sarah Fichtner (Sozialanthropologin) haben das MoCom-Projekt konzipiert und entwickelt. Die Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn arbeitet zusammen mit dem Institut für Didaktik der Demokratie (IDD) der Leibniz Universität Hannover als Kooperationspartner. Im Rahmen des Bundesprogramms „Jugend erinnert“, Förderlinie SED-Unrecht, wird das Projekt gefördert von den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Wieso Motion Comics?

Motion Comics sind digitale, bewegte Bildgeschichten mit Text und Ton. Deren Potential soll in diesem Projekt für die historisch-politische Bildungsarbeit verstärkt genutzt werden. Jeder Motion Comic wird mit Begleitmaterial veröffentlicht. Beides soll für Bildungsarbeit an Schulen und Gedenkstätten eingesetzt werden. Das Projekt schafft Zugänge, um junge Menschen mit ganz unterschiedlichen kulturellen Hintergründen durch eine kreative Auseinandersetzung für die jüngere deutsche Geschichte zu interessieren und Parallelen aufzuzeigen. Gleichzeitig sind junge Menschen auch die Zielgruppe für Motion Comics, die eine ideale Form der niedrigschwelligen Wissensvermittlung über Internetplattformen und soziale Medien darstellen.  Die Idee für das MoCom-Projekt entstand im Jahre 2020 mit dem Motion Comic „Geisterzüge“ – Sarah Fichtner und Anja Werner erzählen hier aus Sicht zweier Kinder Erinnerungen an Geisterzüge und Geisterbahnhöfe in Ost- und West-Berlin. „Geisterzüge“ wurde illustriert von den Künstler:innen Azam Aghalouie und Hassan Tavakoli. 

Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn

Die Grenzpassage Helmstedt/Marienborn gehört zu den herausragenden Orten der Erinnerung an die deutsche Teilung. An der Nahtstelle zwischen Ost und West entwickelte sich die DDR-Grenzübergangsstelle (GÜSt) Marienborn zum größten und wichtigsten Kontrollpunkt an der innerdeutschen Grenze. Die zeichenhafte Architektur der Großdächer und Lichtmasten auf dem ehemaligen Kontrollareal verweist auf die streng überwachte Systemgrenze, die nicht nur Deutsche von Deutschen trennte, sondern ganz Europa und die Welt in zwei gegensätzliche Machtblöcke spaltete.

Auf dem Gelände dieses einzigartigen historischen Ortes befindet sich seit dem 13. August 1996 die Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn. Sie ist ein Ort des Erinnerns an die Menschen, die durch das Grenzregime der DDR ihre Heimat verloren, Leid und Unrecht erfuhren oder getötet wurden.